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Grüne Tubifex-Würmer



 

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Jürgen
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Mit dabei seit: 31.01.2003
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BeitragGeschrieben: 22.01.2005 - 19:12    Titel:  Grüne Tubifex-Würmer

Hallo,

Grüne Tubifex-Würmer, gibts das? Nein, Tubifex tubifex, der Schlammröhrenwurm, früher allseits beliebtes Zierfischfutter, heute im Hinblick auf die Fischgesundheit nicht unumstitten aufgrund der in den Würmern gespeicherten Schadstoffe und enthaltenen Bakterien - sind rot. Ein blutähnlicher roter Farbstoff, der mit enthaltenen Eisenoxiden eine Bindung und Transport von Restsauerstoff im Organismus, den Würmern das Überleben unter extrem lebensfeindlichen sauerstoffreien Bedingungen in nahezu anaeroben Bereichen.

Nun, man muss T.t nicht 'bis aufs Blut' quälen, um das Verhalten der interessanten Würmchen zu beobachten, ihre schlängelnden Bewegungen aus ihren im Schlamm des Gewässers (oder Aquariums) gegrabenen Röhren. Verwendet man T.t als Futtertiere, empfiehlt sich eine gründliche Wässerung des Wurmballens über einen längeren Zeitraum bei regelmässigem Wasseraustausch, um die Konzentration an Schadstoffen zu reduzieren. Die Tiere entleeren in dieser Zeit ihren Darm. Nun blieb mir von einer Sendung Wasserinsekten ein Beutel T.t übrig. Die Portion befand sich schon seit etwa 2 Wochen in dem kleinen Beutel, und es bestand Gefahr, dass die Tubifex in dem sich rapide verschlechternden Wassermilieu absterben. Was tun? Auf die Schnelle gab ich den Wurmballen in eine 12x10 cm grossen durchsichtige Plastikdose, füllte mit frischem Leitungswasser bis zur Hälfte auf und stellte das Gefäss in den Insekten-Kühlschrank. Etwa zwei Wochen später kam eine Brut Geophagus brasiliensis in den 'Genuss' junger Tubifex tubifex Würmchen, die sich noch immer in der Restwassermenge - die inzwischen mehrfach getauscht wurde - hielten. 5 Wochen nach dem 'Umsetzen' des Wurmballens in die Plastikdose bemerkte ich, dass sich über Nacht grüne Flecken und Punkte auf dem Wurmballen gebildet hatten.
Ich war ratlos - was sollte das sein? Die Kühltemperatur im Schrank betrug 11 °C, es fiel kein direktes (und kaum indirektes) Licht hinein, ja, im Innern des Kühlschranks, dessen Türe aus Glas gefertigt ist (ähnlich den Weinkühlschränken) wars zappenduster.
Pilze? Algen? Blaualgen, Cyanobakterien. Muss so sein. Fotoapparat gezückt, zwei Bilder geschossen. Dann ran ans Mikroskop und einen Blick riskiert. Schon bei 40-facher Vergrösserung bekam ich arge Zweifel: die Organismen waren erheblich kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte. Selbst bei 400-facher Vergrösserung liessen sich keine klar definierbaren Strukturen feststellen. Bakterien? Ein Stoffwechselprodukt?
Ich tippe auf Bakterien. Eine rasche Suche im Internet, und ich wurde auf der Seite der Universität Greifswald fündig >>

Meine Überlegungen:
- es konnte sich nicht um anaerobe Bakterien handeln. Erst zwei Tage vor der Beobachtung wurde ein nahezu 100 %-iger Teilwasserwechsel mit kaltem sauerstoffreichem Leitungswasser durchgeführt. Zudem befanden sich die Punkte an der Aussenseite des Wurmballens, im Inneren war davon nichts zu finden.
- beim Abnehmen des 'Grünzeugs' mit einer Pipette fielen mir faserige Bestandteile auf, die sich einigermassen mühevoll vom Restballen lösten. Ich vermute, dass es sich dabei um abgestorbene Tubifex-Bestandteile handelt. Im Präparat fanden sich dann noch einige Einzeller, Amöben und nur sehr wenig grössere Bakterien, eine längliche, unbewegliche, an einem Ende zweizipfelige, schwachkontrastierende, innen leicht rötliche Struktur stellte sich als Kieselalge (Diatomee) heraus >>
Meine Vermutung war, dass sich diese Bakterien in der Folge des Zersetzungsprozesses am abgestorbenen Wurmsubstrat bildeten. Dabei war das Erscheinungsbild des grünen Substrates so, dass das Wachstum flächig erfolgte, die Schichtdicke war (geschätzt!) weit unter 0,05 mm so, dass man das Deckblatt sauber auf das Präparat kippen konnte und keine Knubbel entstanden.

Welche Bakterien?
Zitat:
Gruppe: Aerobe Stäbchen und Kokken
Pseudomonas: monopolar begeißelte Stäbchen, Abbau vieler Stoffe (Cellulose, Lignin, Kohlenwasserstoffe; Aromaten, Detergentien, Herbizide u. a. Umweltchemikalien, bilden z. T. grün fluoreszierende Farbstoffe wie Fluorescein (= Pyoverdin), oder blaue nicht-fluoresz. Farbstoffe wie Pyocyanin, selten pflanzenpathogen.


Wer weiss mehr darüber, was es wirklich sein könnte?

Ein paar Bilder:

Der Wurmknödel im Gefäss, die leuchtend grün fluoreszierende Farbe ist gut erkennbar.



Ein Ausschnitt aus dem Originalbild (Digital-Kamera, 3 mPixel):



Das Präparat unter dem (lichtschwachen) Mikroskop bei etwa 150-facher Vergrösserung:



Lg
Jürgen
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BeitragGeschrieben: 24.01.2005 - 02:03    Titel:  

Nun, so sicher bin ich nun doch nicht mehr, dass es sich um Bakterien handelte. Es könnte sich doch um Algen handeln, chlorophyllose Xanthophyceae.
Zitat:
Die meisten Arten sind - zumindest in bestimmten Lebensphasen - begeißelt. Neben zweigeißligen kommen vielgeißlige Arten (oder Stadien) vor. Die vegetative Vermehrung siphonaler und vielzelliger Arten erfolgt durch Ausbildung begeißelter, zellwandloser Sporen (Zoosporen). Einige der einzelligen Arten sind stets zellwandlos, in anderen Fällen sind die Zellen zeitweilig oder ständig amöboid. Die Untergliederung der Xanthophyceae erfolgt aufgrund der Organisationshöhe ihrer Thalli. Die wichtigsten Ordnungen und ihre vegetativen Merkmale sind:

>>
Vielleicht eine zellwandlose Form, da keine klaren Strukturen erkennbar waren. Jedenfalls benötigt diese Alge kein Licht, kommen auch im lichtlosen feuchten Boden und im Süsswasser vor. Auch das kugelige Erscheinungsbild würde gut dazu passen >>
Werde mir das noch mal ein wenig genauer ansehen.

Lg
Jürgen
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BeitragGeschrieben: 24.01.2005 - 20:35    Titel:  

Wir haben das grüne Zeug heute nochmal untersucht:
- einmal mit einer Stereolupe bei 200-facher Vergrösserung
- einmal mit einem Mikroskop bei 450-facher Vergrösserung.

Die Mikroorganismen sind definitiv zu klein, um Algen zu sein. Sie weisen über keinerlei bei 450-facher Vergrösserung sichtbaren Zellwände, Geisseln oder Zellkerne auf. Xantophyceaen und Diatomeen scheiden also aus, auch wenn bei ersterer die amöboide Konsistenz gepasst hätte. Stattdessen wurde doch eine typische Anordnung festgestellt, wie sie auf Bakterien zutrifft. Auf eine Agar-Probe verzichte ich danked, keine Zeit, keine Lust, und dann würde ich trotzdem anstehen, um welche Bakterienart sichs nun genau handelt. Bleibe also bei meiner ursprünglichen Vermutung, es könnte sich um Pseudomonas flavescens handeln, und bin soweit zufrieden damit :)

Lg
Jürgen
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