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Vermehrung von Geophagus brasiliensis



 

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Jürgen
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BeitragGeschrieben: 03.01.2005 - 02:31    Titel:  Vermehrung von Geophagus brasiliensis

Hallo,

Wieder mal haben es Fische nicht lassen können und sich in einem meiner Becken vermehrt.
Diesmal handelt es sich um Geophagus brasiliensis, einen S-amerikanischen Cichliden. Das halbwüchsige Pärchen fand sich in einem 125 l Aquarium, in dem auch noch juvenile Herotilapia multispinose und Crenichla saxatilis gehältert wurden. Das Becken war mit einigen grossen Schieferplatten ein wenig strukturiert, und auf einer dieser hochkant aufgestellten Platten haben die beiden dann abgelaicht.

Das Ablaichen fand am Montag letzte Woche statt. Ich muss gesehen, dass ich nicht viel Hoffnung hatte, dass das Gelege durchkommt. Jedenfalls war ich dann Mittwochs sehr überrascht, dass tatsächlich etwa 50 Larven aus den Eiern geschlüpft waren und zappelnd von den Eltern eingesammelt und unter einer Schieferplatte 'versteckt' wurden. Natürlich wuchs zu diesem Zeitpunkt das Interesse der anderen Fische am Nachwuchs erheblich, und ich konnte mehrfach beobachten, dass die C. saxatilis ohne Rücksicht auf Verluste mit Schwung an die Steinplatte knallten und sich ein Maul voll Eier bzw. Larven klauten. Die beiden Elterntiere verteidigten das Gelege aufopfern, und ohne Schramme ging das für den Räuber niemals ab.

Um den Stress aus dem überbevölkerten Becken zu nehmen, habe ich die Steinplatte in ein 12 Liter Aufzuchtbecken gestellt. Ein Verpilzungsmittel musste nicht zugesetzt werden, an Technik befand sich ein Heizer und der Ausströmer einer Luftpumpe im Aquarium, die Temperatur betrug 25 °C bei üblichen Innsbrucker Wasserwerten.

Am Donnerstag waren alle Larven geschlüpft, und ich konnte die Steinplatte wieder aus dem Becken entfernen. Wie das so üblich ist unter Grosscichliden zeigte sich das G. brasiliensis-Männchen gegenüber seinem Weibchen nach Verlust des Geleges sehr agressiv, ich musste das Weibchen aus dem Becken entfernen. Aus den Augen, aus dem Sinn, möchte man meinen - tatsächlich ist die Abfolge von Brutpflegehandlungen durch die Wegnahme des Geleges gestört (Anm.: die Larven oder Eier wären im Becken ohnedies niemals durchgekommen), für das Männchen ist das Weibchen nun 'wertlos', da es noch nicht wieder laichbereit ist. Es wir einfach als Konkurrent angesprochen und entsprechend verjagt.

Ansonsten habe ich von den Geophagen-Larven bzw. Eiern und dem Männchen ein paar Bilder und Videos gemacht, die ich euch gerne zeigen würde.

Dieses Bild zeigt einen Teil des Geleges auf der Steinplatte. Die weissen Punkte stellen abgestorbene und denaturierte Laichkörner dar. Die Elterntiere entfernen normalerweise abgestorbene Eier aus dem Gelege, bei künstlicher Aufzucht muss man sie händisch absammeln, um ein Verpilzen und eine Gefährdung der benachbarten Eier auszuschliessen.



Dieses Bild zeigt einzelne Larven auf der Bodenscheibe des Inkubations-Beckens, fotografiert mit einer Canon powershot.



Das Männchen von Geophagus brasiliensis beim 'Baggern':



Zum einen mal ein Video eines Embryos, etwa 10 Stunden vor dem Schlupf. Man kann recht gut den Lebenswillen des künftigen 15 cm Fisches am pochenden Herzen erkennen.
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Dann noch ein kleines Video von einer Fischlarve, die ich leider durch die schlechte Mikroskop-Kamera nicht kleiner abbilden konnte. Sehr schön kann man zum Schwanzende hin die einzelnen Wirbel in der transparenten Schwanzflosse erkennen.
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Der grosse Dottersack, im Bild als dunkler Fleck erkennbar, versorgt die Larve die nächsten 3 Tage bis zum Freischwimmen (und noch darüber hinaus) bzw. der aktiven Nahrungsaufnahme mit Energie. Der dunkle Bogen links stellt die Wirbelsäule dar, die schmaler werdend in der zukünftigen Schwanzflosse ausläuft.



Der Kopf des Embryos, dicht unterhalb der Eihülle. Von einer speziellen Drüse am Kopf werden beim Schlüpfen Enzyme abgegeben, die die Eihülle chemisch aufbrechen: die Larve schlüpft.



Das letzte Video zeigt einen Embryo während des Schlupfes aus dem Ei. Mit heftigen Dreh- und Zuckbewegungen 'prüft' der Embryo, ob die von der Stirndrüse abgegebenen Enzyme die Eihülle schon stark genug aufgelöst haben, dass er die Eihülle sprengen kann.
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Lg
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BeitragGeschrieben: 07.01.2005 - 12:41    Titel:  

Hallo,

Am Montag nachmittag wars soweit: die ersten Larven haben mit dem Freischwimmen begonnen. Am Sonntag hatte ich Artemia salina angesetzt, die aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlüpft waren - zu niedrige Raumtemperatur, das dauerte noch bis Dienstag.
Als Erstfutter verwendete ich ein Flüssigpräparat, und zwar das JBL Nobil flui mit Artemia. Es handelt sich dabei um ein fein homogenisiertes Aufzuchtfutter für Larven kleiner Eierleger. Die jungen G. brasiliensis nahmen das Futter gierig an, es wurden 3 Tropfen im Abstand von 1 Stunde gereicht.
Die Temperatur im 12 Liter Becken beträgt 26 °C, es wird mittels Ausströmerstein schwach belüftet.

Grüsse,
Jürgen
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BeitragGeschrieben: 07.01.2005 - 12:45    Titel:  

Freitag: 12. Tag nach dem Ablaichen.

Die Geophagus wachsen prächtig heran und fressen Artemia salina Nauplien, dass die Bäuche wie orange Stecknadelköpfe aussehen.

Eine Zählung erbrachte zu diesem Zeitpunkt ca. 60 Jungfische - ein Bruchteil vom Gelege, das den Beifischen im Ablaichbecken zum Opfer fiel. Als Säuberungstrupp werden 3 Posthornschnecken ins Becken gesetzt. Am Samstag ist ein Teilwasserwechsel von 25 % angesagt, gleichzeitig werde ich einen kleinen luftbetriebenen Dreieckfilter (Filtersubstrat: Aquariumkies aus einem eingelaufenen Aquarium + Watte) installieren, um die Wasserwerte stabil zu halten.

Grüsse,
Jürgen
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BeitragGeschrieben: 14.01.2005 - 02:06    Titel:  

Freitag: 19. Tag nach dem Ablaichen.

Die Jungfische gedeihen sehr gut, seit Freitag letzter Woche gab es keinen Ausfall zu beklagen, eigentlich sind ab dem Zeitpunkt des Freischwimmens keine Ausfälle beobachtet worden.

Mittlerweile tummeln sich noch drei Posthornschnecken als Futterresteverwerter im Aquarium. Ein kleiner luftbetriebener Filter, der mit grobem Aquariumkies aus einem eingelaufenem Aquarium und einer geringen Menge eines Aktivkohle/Zeolith-Gemisches gefüllt wurde, sorgt für eine effektive biologische Filterung und gleichzeitig für optimale Sauerstoffanreicherung des Aquariumwassers.

Habe mal ein paar Bilder gemacht, die das Drumherum ein wenig herzeigen (Artemiazucht, Verfüttern der Artemia etc.)



Blick auf die Oberseite des Eckfilters: betrieben wird er mit einer 08-15 Luftpumpe. Mit einer leistungsfähigen Schego M2K3 könnte man locker 8-10 Aquarien bis 60 Liter mit diesen Filtern betreiben - eine energiesparende, rasch installierbare, in der Anschaffung kostengünstige und leistungsfähige Möglichkeit, Zuchtbecken effektiv biologisch und jungfischschonend (kein Einsaugen wie beim Motorfilter) zu filtern. Obwohl etwas aus der Mode gekommen halte ich sehr viel von diesen 'billigen' Dingern, zumal die Option, verschiedene Filtermedien zu verwenden (Torf, Kohle, Zeolith, sogar Austauscherharze (Nitratharze) lassen sich so (letztere nach Beschweren des Filters gegen Aufschwimmen) ratzfatz einsetzen.



Artemia salina, das Salinenkrebschen, werden in einer 1,5 l Pet-Flasche zum Schlupf gebracht. Zum Verfüttern nimmt man den Ausströmerstein aus der Flasche und lässt die Nauplien absetzen, bis sie sich massiert an einer hellen Stelle sammeln und abgesaugt werden können. Zu diesem Zweck könnte man recht einfach eine alte Tischlampe direkt zur Flasche stellen. Die Nauplien sammeln sich dann direkt an der Lichtquelle und können ohne Schalen abgesaugt (4/6 mm Luftschlauch) oder mit einer Pipette entnommen werden.



Im Artemia-Sieb findet sich die Ausbeute: ein oranger Film hunderttausender Nauplien. Zum Verfüttern werden sie entweder direkt ins Aquariumwasser gegeben, oder mit einer Pipette (Apotheke) gezielt den Jungfischen verabreicht.



Die Artemia-Nauplien leben im Süsswasser etwa 2-3 Stunden. Man kann diese Zeit ein wenig hinauszögern, wenn man dem Wasser 1g/l Meersalz zusetzt (0,1 %), dann dehnt sich diese Zeit auf 3-4 Stunden aus. Vorteil: die Jungfische haben über einen längeren Zeitraum Futter zur Verfügung und wachsen gleichmässiger, nebenbei werden durch den Salzgehalt typische Schwächeparasiten, die bei der Jungfischentwicklung problematisch in erscheinung treten könnten (Costia, Chilodonella, Oodinium) ausgeschaltet. Nachteil: für ausgesprochene Weichwasserfische ist die Methode ungeeignet, die Jungfische könnten Schaden nehmen. Wenn man allerdings ein wenig nachlässig ist wie ich, dann muss man dem Wasser kein zusätzliches Salz zugeben - wenn man die Nauplien vor der Verfütterung nicht spült, steigt der Salzgehalt von 'selber' allmählich an. In diesem Fall von etwa 350 auf knapp 900 µS (temperaturkompensiert) - zu hoch, ein deutlicher Hinweis, dass ein neuerlicher Teilwasserwechsel ansteht.



So. Zum Schluss noch ein recht unscharfes Bild von den Jungfischen. Man kann ihre gelben Bäuche, voll mit Artemia, trotzdem recht gut erkennen.



Lg
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BeitragGeschrieben: 20.01.2005 - 13:55    Titel:  

Donnerstag, 25. Tag nach dem Ablaichen

Die Jungfische gedeihen gut und wachsen gleichmässig heran. Als Futter werden nach wie vor Artemia-Nauplien gereicht. Zusätzlich hab ich mal kleinste Tubifex-Würmchen gereicht, die ebenfalls schon bewältigt werden können. Die Grösse der Jungfische liegt jetzt bei durchschnittlich 5 mm.



Lg
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BeitragGeschrieben: 24.01.2005 - 19:28    Titel:  

Montag, 29. Tag mach dem Ablaichen:

Die Fische haben heute die letzte Portion lebender Artemia salina erhalten. Ich möchte versuchen, sie nun auf Kunstfutter und Gefrierfutter umzustellen. Habe begonnen, mit gefrorenen Moinas und gefriergetrockneten Cyclop eeze zuzufüttern, das nur zögerlich genommen wurde. Jedenfalls waren die beiden Posthornschnecken von dem Futtersegen begeistert. Nur eine Frage der Zeit, bis auch die Jungfische ohne Probleme an das Futter gehen werden.

Lg
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BeitragGeschrieben: 17.03.2005 - 13:56    Titel:  

Donnerstag, 82. Tag nach dem Ablaichen:

Die Jungfische sind, wie man so schön sagt, übern Berg. Es gab keine Ausfälle seit dem Freischwimmen, das ist schon einigermassen bemerkenswert - die Aufzucht hat sich wirklich einfach und unproblematisch gestaltet.
Mittlerweile sind die Kleinen in ein 75 Liter Aquarium übersiedelt, das sie sich mit Ohrgitter-Harnischwelsen (Otocinclus affinis) teilen. Als Futter wird Aufzuchtfutter von JBL (Gr. 3) und zerriebenes Discus-Granulat gereicht.



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