Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1250
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Geschrieben: 12.02.2004 - 14:26 Titel: Darmflagellaten |
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Hallo Martina,
Das Problem bei vermutetem Darmflagellaten-Befall scheint mir folgendes zu sein:
1. Es könnte sich um Darmflagellaten handeln, Sicherheit darüber würde man dann durch eine mikroskopische Untersuchung des Kotfadens erhalten.
2. Es könnte sich aber genausogut um chronische Darmentzündungen handeln, also eine Art "Gastritis". Ursachen: Verfütterung von zu kollagenhaltigem Discusfutter (Rinderherz); dabei wirds keinen grossen Unterschied machen, wenn man selber die Tiere nicht mit RH füttert, die Fische aber bereits "vorgeschädigt" sind.
Wenn Darmflagellaten als Krankheitsauslöser infrage kommen, könnte man eine Therapie mit Metronidazol starten. Dieses Verschreibungspflichtige Antibiotikum (Tierarzt; St. Anna Apotheke in der Theresienstrasse, dort "Metronidazol für Aquarienfische" verlangen) wird in einer Konzentration von bis zu 1 g/100 Liter dem Aquariumwasser zugesetzt. Dieter Untergasser empfiehlt geringere Dosierungen. Wichtig: absorbierende Filtermaterialien (Kohle, Zeolith) oder oxidierende Teile (Oxydator, UV-Entkeimer) ausschalten!
Leider gibt es auch resistente Flagellaten-Stämme, die auch bei dieser Konzentration nicht mehr abgetötet werden können. Eine höhere Dosierung könnte in diesem Fall helfen, man muss dann allerdings Nierenschäden bei den Discusfischen befürchten. Auch Saugwelse vertragen Metronidazol in höheren Konzentrationen sehr schlecht, weshalb die Behandlung mit Dosierungen über 1 g/100 l dringendst in einem Quarantäne-Becken erfolgen sollte.
Es lassen sich auch Futtermischungen herstellen, in die das Metro gemischt wird. Diese Methode ist dann sehr erfolgversprechend, wenn die befallenen Fische noch gut fressen. Eine recht einfache und effektive Methode: lebende Enchyträen oder Mückenlarven in einem kleinen Wassergefäss (Aqua dest) mit hoher Metro-Konzentration solange drinlassen, bis die Würmer oder Mückenlarven abzusterben beginnen. Die Futtertiere haben dann eine gewisse Menge von dem Antibiotikum aufgenommen, mit dem Nahrungsbrei selber wird das Medikament direkt dorthin transportiert wo es zur Anwendung kommen soll: in den Verdauungstrakt. Ich hab zwar keine Zahlen, wieviel von dem Medikament tatsächlich von den Enchyträen aufgenommen wird, kenne aber einige Züchter, die diese Methode bei ihren Discusfischen erfolgreich praktizieren.
Anstelle lebender Insekten könnte man natürlich auch gefriergetrocknete Mückenlarven oder Artemia verwenden, wenn die Discus dieses Futter schon kennen und auch gerne annehmen.
Das Metro sollte man sich grammweise herauswiegen lassen, dunkel und luftdicht aufbewahren.
Lg
Jürgen |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1250
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Geschrieben: 12.02.2004 - 15:24 Titel: |
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Hello,
wie Ihr wisst hab ich eine ganze Menge Aquarien
Es handelt sich dabei zwar um Verkaufsbecken, aber trotzdem guck ich gerne rein (v.a. wenn sie schön sauber sind
Der Beitrag hat zwar mit Martinas Posting nichts (oder nur wenig) zu tun, aber ich hab grad Zeit und Lust ein wenig zu plaudern, möchte dazu keinen eigenen Thread eröffnen und erzähl mal eine Geschichte.
Es waren einmal 34 Discusfische...
Ich hab vor etwa 3 Monaten von einem Discuszüchter 34 Stück adulte Discusfische gekauft (Pigeon blood, Blue Diamond, Rottürkise, Snake Skin Discus). Er hats lassen, ich hab mir die Tiere angesehen und für gut befunden und den ganzen Schwung gekauft. Dabei gehts mir nicht anders wie jedem Aquarianer, der viel Geld für Fische ausgibt, in diesem Fall knapp 1000 Euros
Wenn man weiss wie sensibel grosse Discus auf plötzliche Milieu-Änderungen reagieren können wird man meine Bedenken verstehen.
Ich hab folgendes gemacht: die Fische, die in den Becken (6 Stk. 125 Liter Becken) waren, rausgenommen und einen Teilwasserwechsel von 75 % durchgeführt; 1/4 Altwasser hab ich gelassen.
Dann hab ich in jedes Becken 3 grosse Mandelseebaumblätter gegeben und die Becken ohne Fische laufen lassen. Nachdem die WW beim Züchter und bei mir im G. dieselben waren, wurden die Fische per Hand nach kurzem Transport in 3 Wassertonnen eingesetzt. Als einziges Medikament hab ich 3 ml einer relativ harmlosen Methylenblau-Stammlösung (vorbeugend gegen Einzeller) reingetan und die Beleuchtung reduziert. Die Temperatur beträgt 28 °C.
Von 34 Discusfischen hatte ich nur einen Ausfall zu beklagen, was ich für einen Spitzenwert erachte!
Gefüttert werden die Fische mit gehackten Miesmuscheln, Artemia und sera Discusgranulat. Sie zeigen sehr gute Farben. Eine auftretende Lochkrankheit bei einem Discus-Männchen war innerhalb einer Woche nach Zugabe von JBL Aquadur (Mineralstoffmangel) geheilt. In den Becken haben sich drei Pärchen gebildet, zwei davon haben abgelaicht.
Ein Pärchen (Blue Diamond) schwimmt jetzt bei einem anderen Discus-Züchter und hat dort auch wieder abgelaicht. Das zweite Pärchen (Snake Skin) kam zu einem Discus-Liebhaber in einen 50x50x50 cm Discuswürfel. Zwei Tage später war das Männchen tot. Würde der Fisch noch in meiner Anlage schwimmen, würde er noch leben. Was hat er falsch gemacht? Wahrscheinlich nichts, dem Weibchen gehts immerhin prächtig. Allerdings hatte der einige Monate davor in seinem 2 m Schaubecken ein rätselhaftes Discus-Sterben, man könnte glauben, dass er einige Fische vorher in diesem Zuchtwürfel behandelt hat und "vergass", Aquarium und Technik zu sterilisieren.
Discusfische sind schwierig zu halten. Ja, keine Frage, die Wasserwerte müssen im sauren Bereich angesiedelt sein, die Ernährung muss aufgrund der hohen Temperaturen üppig ausfallen - dementsprechend muss die Wasserbelastung durch intensive Teilwasserwechsel möglichst gering gehalten werden. Leider reagieren fast alle Discusfische recht allergisch auf Frischwasser mit Dunkelfärbung (und also Stress), also geben dann viele gleich Medikamente rein (dunkel=krank) und behandeln einen gesunden Fisch. Eine Woche später passt wieder alles: schöne Farben, der Fisch frisst gut und ist auch nicht scheu. Dann wieder Teilwasserwechsel, und wieder das gleiche Problem, vielleicht diesmal nicht so ausgeprägt oder erst eine Woche oder zwei Wochen später: Wumm, alle Discusfische hängen an der Oberfläche, sind schwarz und verschleimt. Ursache? Möglicherweise ist durch die Medikamentengabe vor zwei Wochen die Schleimhaut geschädigt worden und die Einzeller, die meistens für die Dunkelfärbung verantwortlich sind, haben sich massenhaft vermehrt. Discusseuche! Natürlich, wenn noch Bakterien dazukommen kann das gut möglich sein. Also ein antibakterielles Präparat rein und die Temperatur auf 32 °C erhöhen. Gerade noch mal gutgegangen (Anm.: ohne Temperaturerhöhung hätten die Hauttrüber trotz Antibiotika die Fische getötet). Nach dieser Kur unbedingt einen Teilwasserwechsel von 25 % durchführen, so stehts auf der Medikamentenpackung. Peng, Frischwasser, Stress pur. Alle nützlichen Bakterien, Würmer und Einzeller im Filter sind mittlerweile tot. Es vermehren sich in Ermangelung natürlicher "Konkurrenz" auf dem Filtersubstrat unerwünschte Keime im freien Aquariumwasser, die die Discus plötzlich schneller atmen lassen. Kiemenwürmer! Natürlich, was sonst. Wumm, die nächste Gabe. Mittlerweile weisen die Discus durch die hohen Temperaturen und die verminderten Futtergaben (könnte ja Nitrit entstehen bei der Antibiotika-Behandlung) ein Energiedefizit auf, d.h. sie verbrauchen mehr Energie für Stoffwechselprozesse, als sie mit der Nahrung geboten bekommen. Und Discusfische sind langsame Fresser! Und kein Berufstätiger hat die Zeit, täglich 3-4 mal ausgiebig zu füttern und die Futterreste und Ausscheidungen danach gleich wieder abzusaugen. Ein mal täglich muss genügen, geht nicht anders, mehr würde auch zuviel Dreck im Becken erzeugen. Also das klassische Discusfutter rein: Rinderherz. Die Fische fressen super, wie ein Verhungernder, verrückt, schliesslich muss durch den Stress und die hohen Temperaturen wieder Gewebe gebildet und Fettreserven angelegt werden. Geht aber nicht, das Rindfleich kann kaum verdaut werden, der Schmelzpunkt des Säugetierfettes liegt bei etwa 36 °C, Temperaturen die im Discusbecken nie erreicht werden können. Also lagert sich das Fett an: in den Blutgefässen, im Verdauungstrakt. Du liebe Güte: die Discus scheissen weiss! Wunderts wen? Mich nicht. Darmflagellaten? Möglich. Wenn ja: bringts dann was, dagegen zu behandeln? Wahrscheinlich nicht, wenn die Ursache dafür (Stress) nicht gleichzeitig auch behoben wird.
Ein gestresster Berufstätiger, der mit vielen anderen "Fischen" auf engem Raum arbeiten muss, der sich hastig einmal ernähren muss mit "Futter", das zu wenig Vitamine enthält oder zu wenig Kohlenhydrate, wird früher oder später "sein" Magengeschwür bekommen und Blut kacken. Wird der wieder gesund, wenn er seinen Lebensstil beibehält und Antibiotika schluckt? Nein, wird er nicht. Warum sollte das bei Discusfischen, bei allen Fischen, anders sein?
... und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.
@Martina: ich weiss dass Du Deine Fische sehr gut pflegst und Dir auch jede Menge Fachwissen angeeignet hast, von dem andere nicht die leiseste Ahnung haben (wollen). Also: bitte das Posting nicht gegen Dich gerichtet lesen.
Lg
Jürgen |
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