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Pinselalge !!! Und noch viele Fragen diesbezüglich....



 

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Anne
Löwenbändiger
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Alter: 30
Tierkreiszeichen: Pferd
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Beiträge: 25
Wohnort: Lüneburg
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BeitragGeschrieben: 04.01.2005 - 22:00    Titel:  Pinselalge !!! Und noch viele Fragen diesbezüglich....

Hallo Jürgen,
sehr gespannt und interessiert habe ich deinen Beitrag zu den Pinselalgen gelesen.
Und auch mich hat diese "Seuche" befallen Ganz traurig sein und ich weiß nicht woher es kommen kann ich habe eine nach der anderen Möglichkeiten ausgeschlossen.
Mein Becken ist 240 L und mit nur noch spärlichem Pflanzenbesatz, da die Algen wirklich alles nieder machen. Bewohner des Beckens sind einige Neons, Platys und 2 Prachtschmerlen, 3 Welse.....einige Steine, Hölzer.
Ich würde nun gerne wissen, wieso Du meinst, das nur eine Neueinrichtung des Beckens helfen kann und wie sieht das aus? Was muß neu? Steine, Kies? Was denn alles?

Und ich habe noch eine andere Frage:
Wir haben das BEcken gebraucht bekommen und in diesem Becken ist eine Rückwand drinnen. Eine Rückwand aus Kunststoff (???) Das Material erkennt man nicht mehr so gut, weil sie recht zugewachsen ist ich kann aber nun auch nicht sagen welche Pflanze die Rückwand belagert...sieht aus wie Moos. Kann Auslöser für die Algenplage auch diese Rückwand sein und wenn ja...was dann? Muß die denn bei einer Neueinrichtung nicht auch raus? Und wenn ja, wie bekommt man sie ab?

Ein ersatzbecken für die Fische wäre vorhanden (natürlich nicht noch einmal so groß)

Und zu den Siamesischen Rüsselbarben....wie teuer ist einer etwa und ..... bei meiner Größe wären das wie viele?

Ich bedanke mich schon innerlich sehr für deine Antwort und ich erwarte sie mit voller Ungeduld!

LG
Anne
Jürgen
Support Team
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Mit dabei seit: 31.01.2003
Beiträge: 1256
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BeitragGeschrieben: 05.01.2005 - 14:58    Titel:  

Hallo Anne,

Pinselalgenprobleme sind vermutlich so alt wie die Aquaristik selber, den einen stören sie optisch, der andere sieht darin kein Problem. Sie sind nicht einmal ein Zeichen dafür, dass etwas mit dem Aquariumwasser chemisch nicht stimmt. Je nachdem, welche Ansprüche man an die optische Perfektion seines Aquariums stellt, sind sie allerdings für die meisten Aquarianer/Innen unangenehme Lästlinge, die das gehegte und gepflegte Aquarium verunstalten.
Die Ursachen für Pinselalgen können dermassen vielfältig sein, dass ich erst mal ein wenig auf bekannte Möglichkeiten der Bekämpfung (bzw. Vermeidung) eingeheh möchte. Die da wären:

- Vermeidung von direktem Sonnenlichteinfall ins Aquarium
- Vermeidung von überalterten Neonröhren bzw. einem kompletten Röhrentausch. Worst Case: das Einsetzen neuer Röhren mit anderen Lichtfarben (Spektren) als den bisher verwendeten.
- Regelmässiger Teilwasserwechsel, damit ist ein Tw-Wechsel von 1/3 des Beckenvolumens wöchentlich gemeint.
- Regelmässige CO2-Düngung, um feine Kalkausfällungen an den Blatträndern bzw. der Dekoration zu vermeiden. CO2-Düngung ist IMHO die wichtigste Vorsorgemassnahme, um Pinselalgenprobleme in den Griff zu bekommen
- Verwendung von Torf im Aussenfilter oder Flutbeutel, um das Aquariumwasser chemisch und optisch zuungunsten von Algen zu verändern. Ebenfalls eine wichtige Massnahme!
- Durchführen einer Serie von Teilwasserwechseln: 1/3 Teilwasserwechsel täglich über einen Zeitraum von 2 Wochen durchführen. Sinn der Massnahme: Rücklösen von ausgefallenem Phosphat, Entzug von überschüssigen Nährstoffen für die Algen.
- Verabreichen von Pflanzendüngern nicht wöchentlich, sondern täglich, z.B. mit dem Dennerle A1-Tagesdünger, um ein 'überflüssiges' Nährstoffdepot, das das Algenwachstum begünstigt, zu vermeiden.
- Einlegen einer mindestens 2-stündigen Mittagspause, also eines Zeitraumes, in dem die Aquariumbeleuchtung ausgeschaltet wird. Dabei beachten, dass die Netto-Beleuchtungszeit dennoch mindestens 10-11 Stunden beträgt.
- Einsetzen von siam. Rüsselbarben. Bei deinem Aquarium wäre eine Zahl von 10 Tieren sinnvoll. Leider werden die Fische recht gross, und 10 Rüsselbarben im 240 Liter Aquarium ist auf Dauer zu viel. Abhilfe: wenn das Algenproblem gelöst ist die Rüsselbarben wieder an Bekannte mit grösseren Becken (oder deinen Zoo-Fachhändler) abgeben. Rüsselbarben (die echten mit dem in die Schwanzflosse durchgehenden Streifen) kosten etwa 2,50 bis 3 Euros.
- Einsetzen von algenfressenden Garnelen: nachdem du dich von deinen Prachtschmerlen getrennt hast (denn diese Fische würden ein erheblich grösseres Aquarium benötigen als dus ihnen bieten kannst) etwa 10-15 Caridina japonica oder Caridina sinensis sinensis einsetzen. Damit solltest du das Algenproblem auf jeden Fall in den Griff bekommen, mehr Garnelen schaffen es in kürzerer Zeit, das Becken zu säubern. C. sinensis sinensis vermehrt sich unter 'normalen' Bedingungen im Aquarium auch recht gut, d.h. wenn keine zu grossen Räuber drin sind. Prachtschmerlen und C. japonica sollten sich vertragen, wenn die Botias noch nicht die >10 cm Marke überschritten haben.
- Auswahl der 'richtigen' Lichtfarbe: ein vieldiskutiertes Thema. Habe sehr gute Erfahrungen mit einer Kombination von Dennerle Amazon Day und Osram Lumilux oder anderen Osram-Röhren (Lichtfarbe: je höher, desto besser, die Bezeichnung findest du an der Röhre selber, z.B. 38 W xxxx). Auf jeden Fall Röhren wie Sylvania Aquastar oder JBL Solar natur oder Gro-Lux Röhren meiden, erstere weisen einen zu hohen Blauanteil auf, letztere sind IMHO für Aquarien schlichtweg ungeeignet, v.a. wenn der Einsatz nur in Kombination mit einer zweiten Röhre möglich ist.
- Einsetzen mehrerer Handvoll krautiger Pflanzen, um den Algen die Nährstoffgrundlage zu entziehen.

Was noch? Man könnte noch Phosphatentferner verwenden, also z.B. JBL Phosex, um später den Phosphatgehalt möglichst niedrig zu halten. Verzichte auf die Verwendung von Luftpumpen und Ausströmersteinen, sie erhöhen das Redoxpotential im Aquariumwasser zugunsten der Algen. Wenn eine Belüftung notwendig ist diese so anlegen, dass während der Nachtstunden belüftet wird, um einer O2-Verknappung entgegenzuwirken.

Zusammengefasst - es ist schon auch möglich, ein verfahrenes Aquarium wieder in Schuss zu bekommen. Allerdings ist dafür ein Bündel von Massnahmen notwendig und nicht ein einzelner Eingriff. Und noch mal in aller Kürze:
- Wasserwechselmethode
- Lichtoptimierung
- Standortoptimierung
- Dünger- und Futteroptimierung (Verzicht auf Roten Mückenlarven, Einschränken von Futtertabletten, Verzicht auf phosphatreiches 'Billigfutter')
- CO2-Optimierung
- Torffilterung
- algenfressende Garnelen oder siam. Rüsselbarben einsetzen

Daneben wäre es natürlich angebracht, stark befallene Pflanzenteile zu entfernen und auch von der Dekoration soviel wie möglich runterzuholen. Selbst bei einer Neueinrichtung sind die meisten der angeführten Punkte von Haus aus notwendig, um dem Algenwachstum vorzubeugen.
Im ständigen Konkurrenzkampf Pflanzen vs. Algen muss das Bestreben sein, den Pflanzen, die höher entwickelt sind als Algen und deshalb nicht so anpassungsfähig sind, bestmögliche Bedingungen zum Gedeihen zu bieten. Jede Verschlechterung begünstigt das Algenwachstum, wobei erst die Summe von vielen Details eine Algenplage hervorruft. Genausowenig, wie es 'über Nacht' zu einem grossartigen Pflanzenwachstum kommen kann, führt die Veränderung eines Parameters 'über Nacht' zu einer Algenplage (mal von Blaualgen oder Schwebealgen abgesehen, die aber auch einige Tage benötigen, um massiv aufzufallen). Die Anzeichen hättest du bereits vor Monaten erkennen müssen und bereits dort Massnahmen ergreifen können.
Dem 'chronisch kranken=veralgten' Aquarium gilt es also mit ebenso 'chronischen=permanenten' begleitenden Verbesserungs-Massnahmen zu helfen.

Lg
Jürgen
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