DannyBN Kurz reingeschneit


Alter: 31 Tierkreiszeichen:  Mit dabei seit: 10.07.2004 Beiträge: 13
Wohnort: Bonn
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Geschrieben: 10.07.2004 - 22:40 Titel: Viele Fragen zum Wasser im 60lAQ - PH, CO2, O2 |
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Hallo,
ich bin hier ganz neu und leider gerade ziemlich verwirrt!
Ich versuchs mal zu strukturieren:
Habe seit 4 Wochen AQ, seit 2 Wochen mit Fischbesatz. Und zwar ein reines Südamerika-AQ mit Salmlern. Und Corydoras paleatus als Bodenfische. Habe 3mm rundkieseligen AQKies u. eine "Sandzone" mit feinem AQ-Kies für die Welse. Ansonsten viel feinfiedrige und schnellwüchsige Pflanzen, sowie 2 kleine Mooskugeln drin.
Toru-Min-Zusatz.
Anfangs habe ich mit Teststreifen die Wasserwerte überprüft, die waren immer wie gewünscht: Ph-Wert bei ca. 6,5, KH und GH ca. 5°dH. Jetzt mit dem Tetra Laborett Troftest: ich kriege überhaupt keine Ergebnisse für GH und KH, müssten demzufolge also bei 0 liegen (geht das überhaupt?) und PH stur bei 7,5! Gleichzeit gibt der Streifentest aber immer noch 6,5 PH, und 7°dH Karbonathärte sowie 5° Gesamthärte an. Nitrit ist 0.
Was soll das jetzt heißen? Und wie kriege ich die Werte konstant, also in meinem Becken leicht sauer und schön weiches Wasser? Ach ja, die Leitungswasserwerte sind laut Streifentest ebenso wie im AQ gemessen. Der Tropftest gibt im Leitungswasser etwas höhern PH-Wert, vielleicht 0,2 -0,3 mehr. Die anderen Werte sind ebenfalls nicht messbar.
Kann es sein, dass die Indikatorflüssigkeiten verdorben sind? Habe Testset über Ebay ersteigert...
Und dann noch zu O2 und CO2: Ich habe gelesen, dass über die CO2 Düngung der PH-Wert senkar ist, verstehe aber nicht wie und warum. Das Pflanzenwachstum ist übrigens prima. Algenprobs habe ich eigentlich nicht.
Aber vielleicht trotzdem eine CO2 Anlage einsetzen? Und wie verhält es sich mir dem 02? Die Welse schwimmen ja gelegentlich zur Oberfläche (Darmatmung). Das tun sie immo häufiger als anfangs, aber vielleicht weil die Weibchen mittlerweile Laichansatz haben...Kann ein Sprudelgerät (wie heißen die eigentlich richtig) Schaden oder Nutzen bringen? Wie ist denn der chemische Zusammenhang zwischen gelöstem CO2 und O2 im Wasser und läuft das mit dem O2 über die Photosynthese oder auch über Luftaustausch? Ich bin vom vielen Lesen jetzt so durcheinander, kann mir jemand das Wesentliche erklären?
Sorry auch für das lange Posting und schonmal vielen lieben Dank!
Ciao, Danny |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1257
Wohnort: Mittelgebirge
Neon-Punkte: 2664
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Geschrieben: 11.07.2004 - 13:27 Titel: |
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Hallo Dany,
fein dass du mal bei uns vorbeischaust
Also... ich guck mal, ob ich dir behilflich sein kann.
Zum Thema Wasserhärte hab ich rausgefunden, dass das Leitungswasser in Bonn sehr weich ist. Die Gesamthärte schwankt zwischen 5,7 ± 1,1 und 7,3 ± 0,9 Grad deutscher Härte. Auch der gemessene pH-Wert von etwa 6,5 in deinem Becken ist bei etwa 5° dGH realistisch.
Damit liegen die Streifen richtig, die Tropftests messen falsch. Überaltert sind die Tropftests vermutlich nicht, aber sie dürften falsch gelagert worden sein bzw. es könnte zu einer Vermischung der Reagenzien gekommen sein. Um ganz sicher zu gehen würde ich mir einen neuen pH-Tropfentest zulegen, z.B. von JBL (pH 6,5 - 7,5), detto einen KH Test
Mit dem ToruMin senkst du pH-Wert und Härtebildner etwas ab. Damit sinkt auch die Gesamthärte. Nun wird mit dem ToruMin das Puffersystem der Karbonathärte reduziert, gleichzeitig aber auch noch ein zweites Puffersystem, nämlich das der Huminsäuren ('Torfsäuren') eingebracht. Der Kalk wird zwar reduziert, jedoch wird bei der Messung der Karbonathärte kaum eine Änderung festgestellt. Trotzdem ist das Wasser durch den reduzierten 'Kalkgehalt' nun für die Tropenfische brauchbarer.
>> Ich habe gelesen, dass über die CO2 Düngung der PH-Wert senkar ist, verstehe aber nicht wie und warum. Das Pflanzenwachstum ist übrigens prima. <<
Ja, du kannst den pH-Wert weiter absenken. Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Karbonathärte von Haus aus (wie bei dir) niedrig ist, damit brauchbare Ergebnisse erzielt werden können. Je niedriger die KH ist, desto weniger CO2 ist erforderlich, um den pH-Wert zu senken. Dementsprechend löst sich (oder bleibt pflanzenverfügbar gelöst) auch aus der Luft bzw. ist durch die Stoffwechselprozesse der Fische (Atmung) und Bakterien (Atmung, Nitrifizierung) im weicheren Wasser mehr CO2 vorhanden als im mittelharten oder harten Wasser. Wenn deine Pflanzen prima wachsen ist das ein Zeichen, dass kein CO2-Mangel oder ein Mangel an mineralischen Nährstoffen vorliegt.
In diesem Fall könntest du dir eine CO2-Düngung sparen. Nach Krauses CO2-Tabelle würdest du bei einer Karbonathärte von etwa 5 und einem pH-Wert von etwa 6,8 einen CO2-Gehalt von ca. 25 mg/l im Aquarium haben. Dieser Wert ist super, selbst wenn man nach unten durch die relativ ungenauen Messergebnisse der Streifen noch Abstriche machen müsste.
>> Kann ein Sprudelgerät (wie heißen die eigentlich richtig) Schaden oder Nutzen bringen? <<
Damit kannst du das Pflanzenwachstum in deinem Becken eigentlich nur verschlechtern: CO2 wird ausgetrieben, der wichtigste Nährstoff für die Pflanzen geht verloren. Die Darmatmung der Panzerwelse wird von diesen auch bei Top-Werten ausgeübt. Ein sicheres Zeichen, dass zuwenig Sauerstoff im Becken ist, ist das nicht. Es kann aber ein Hinweis in diese Richtung sein. Wenn das Becken nicht überbesetzt ist langt die Oberflächenbewegung durch den Filter aus, um den Gasaustausch an der Grenzschichte der beiden Medien Wasser-Luft sicherzustellen. Es könnte aber möglich sein, dass es nachts zu einem Sauerstoffmangel bzw. zu einem CO2-Überschuss kommt - dann benötigen auch die Pflanzen Sauerstoff und 'atmen' CO2 aus.
Du schreibst, dass du viele Pflanzen drin hast. Schon möglich, dass sich in den Nachtstunden ein O2-Mangel ergibt. Beobachte die Fische mal um 6 Uhr morgens, ob sie verstärkt atmen (mit den Kiemen 'pumpen'). Ist das der Fall, solltest du eine Luftpumpe installieren. Die Schaltung via Zeitschaltuhr kann dann so erfolgen, dass das Aquarium von Mitternacht bis 1 Stunde vor dem Lichteinschalten belüftet wird. Tagsüber produzieren dann die Pflanzen wieder ausreichend Sauerstoff, da würde die zusätzliche Belüftung mehr schaden als nutzen.
>> Wie ist denn der chemische Zusammenhang zwischen gelöstem CO2 und O2 im Wasser und läuft das mit dem O2 über die Photosynthese oder auch über Luftaustausch? <<
Naja... theoretisch könnte man im Wasser das gleiche Gasgemisch CO2-Sauerstoff wie in der Atmosphäre herstellen (21 Prozent Sauerstoff, 0,03 Prozent Kohlendioxid). Praktisch ist das im Aquarium nicht möglich. Selbst bei einer Sauerstoffsättigung ist bei deinen Wasserwerten immer noch gelöstes CO2 im Wasser vorhanden. Eine gegenseitige Verdrängung von O2 oder CO2 findet unter normalen Aquarienverhältnissen nicht statt. Im gegenteiligen Fall können die Fische bei zuviel Anwesenheit gelösten CO2's sterben - sie ersticken. Also - fällt die Pumpe aus, fällt auch der Gasaustausch an der Wasseroberfläche weg. Natürlich sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, aber was noch viel schlimmer ist: der Gehalt an gelöstem CO2, das nicht mehr an der Wasseroberfläche abgegeben wird, steigt kontinuierlich an. Solange, bis die Fische ihr beim Stoffwechsel erzeugtes körpereigenes CO2 nicht mehr über die Kiemen abgeben können. Nachdem Fische keine Lunge haben und das CO2 ausatmen können, transportieren sie das im Blut gelöste CO2 in die Kiemen. Dort wird es dann an das Wasser per Lösung abgegeben. Ist der CO2-Gehalt im Wasser höher oder gleich hoch wie im Blut der Fische ersticken sie daran - sie atmen sehr heftig und verenden mit weit aufgerissenem Maul und abgespreitzten Kiemendeckeln.
>> das mit dem O2 über die Photosynthese oder auch über Luftaustausch <<
Die Pflanzen werden immer Sauerstoff produzieren, selbst wenn kaum O2 im Wasser vorhanden ist. Sie verwenden dazu Licht und Kohlenstoff, also zum Beispiel gelöstes CO2. Manche Pflanzen (z.B Wasserpest) können sich das CO2 aus dem CaCO2 ('Kalk') rausknacken, man nennt das dann biogene Entkalkung: das Wasser wird weicher. Dementsprechend wächst die Wasserpest z.B. in Aquarien mit weichem Wasser, in denen das CO2 durch intensive Belüftung zum Grossteil ausgetrieben wird, überhaupt nicht oder nur ganz schlecht.
Wenn die Pflanzen gut wachsen, produzieren sie auch jede Menge Sauerstoff. Wenn das Becken also nicht überbesetzt ist, können die Fische ganz gut damit leben. Mit der Belüftung des Beckens erreicht man übrigens kaum eine Erhöhung des Sauerstoffgehaltes, vielmehr treibt man das CO2 aus. Man bietet den Fischen damit nicht viel mehr Sauerstoff, jedoch erleichtert man ihnen die Abgabe des körpereigenen CO2 ganz erheblich.
Hoffe ich konnte ein wenig behilflich sein,
Lg
Jürgen |
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DannyBN Kurz reingeschneit


Alter: 31 Tierkreiszeichen:  Mit dabei seit: 10.07.2004 Beiträge: 13
Wohnort: Bonn
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Geschrieben: 12.07.2004 - 11:03 Titel: Um einiges schlauer! |
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Hi Jürgen,
vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen, das hat echt geholfen.
Bin ganz erleichtert, dass ich also den Fischen doch ein recht angenehmes Lebensmilieu zur Verfügung stelle.
Ich werde dann einen neuen Tropftest anschaffen, um in Zukunft zu messen.
In der Tat habe ich auch Wasserpest im Becken (wie wahrscheinlich die meisten), diese gedeiht aber durchaus gut. So wie sie anderen anderen Pflanzen ja auch.
Das mit der Luftpumpe werde ich erstmal lassen, die Fische scheinen auch frühmorgens keinen zu geringen o2 Gehalt zu verspüren. Allerdings steht demnächst noch eine Umbesetzung der Fische an, da ich mir zusätzlich noch ein 200l Becken einrichte. Dann werden sicher wieder neue Fragen auftauchen!
Aber erstmal vielen lieben Dank!
Danny |
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