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FISCHPORTRAIT: Schneckenbuntbarsche


von Dieter Untergasser

Denkt man an Cichliden aus Ostafrika, so stellt sich meist die Vorstellung von grossen Aquarien ab 300 Litern und Fischen mit Grössen zwischen 10 und 20 cm ein. Es gibt aber einige Fischarten im Tanganjikasee, die sehr wohl in kleineren Aquarien artgerecht gepflegt werden können. Die verschiedenen Schneckenbuntbarsche mit ihren interessanten Verhaltensweisen gehören dazu.
Die bekanntesten und im Zoofachhandel regelmässig erhältlichen Arten sind Lamprologus ocellatus, Neolamprologus brevis, N. boulengeri, N. multifasciatus und Telmatochromis vittatus. Die beiden letztgenannten sind mit einer Länge zwischen vier und fünf Zentimetern

die kleinsten Schnecken- buntbarsche. Sie sind lebhaft, aber friedlich und können mit anderen wenig aggressiven Arten, wie z.B. Neolamprologus leleupi, N. leloupi, N. marunguensis, Julidochromis regani oder Telmatochrimis bifrenatus, vergesellschaftet werden.
Der Name "Schneckenbuntbarsch" weckt beim Aquarianer leicht die Vermutung, die Fische würden möglicherweise Schnecken fressen. Dass der Name mit dem Brutverhalten zusammenhängt, vermutet man nicht so schnell. Da diese Fische auf den offenen Sand-
flächen des Tanganjikasees leben, haben sie sich daran angepasst, die dort herumliegenden Gehäuse der Neothauma-Schnecken als Zuflucht und Bruthöhle zu nutzen.

Lamprologus ocellatus, Männchen, vor seinem Schneckenhaus


Für Schneckenbuntbarsche reicht ein Aquarium mit 112 Litern Inhalt und den Standardmaßen von 80x40x35 cm aus. Darin können zwei bis drei Paare und eine kleine Gruppe von fünf bis sechs Fischen einer der oben genannten Arten gepflegt erden. Damit sich die Fische nicht verletzen, ist ein feiner stumpfer Sand oder Quarzkies mit einen Millimeter Korngrösse erforderlich. Einige grössere Steine, die aus dem Sand herausragen, dienen der Revierabgrenzung. Dabei müssen pro Paar zwei, besser drei, Schnecken-
 

häuser auf den Sand gelegt werden. Die Gehäuse kann man im Fachhandel kaufen, einige selbst gesammelte Häuser der Weinbergschnecke werden aber genau so gerne angenommen.
 Leere Schneckenhäuser

Die oben genannten Arten von Beifischen benötigen Höhlen als Unterschlupf und zum Brüten. Daher
ist es notwendig, einen Steinaufbau im hinteren Bereich des Beckens zu errichten. Die Steine sollen nicht direkt auf den Glasboden gestellt werden, sondern auf eine den Druck auffangende Schaumstoffmatte. Einige waggrecht in den Steinaufbau

eingebrachte Steinplatten dienen als Höhlendecken, an denen die Neolamprologus oder Lulidochromis ablaichen. Die Steindekoration kann aus Kalksteinen bestehen, denn das Wasser im Tanganjikasee hat eine sehr hohe Karbonathärte. Besonders gut geeignet ist das im Handel erhältliche jugoslawische Lochgestein.

Tanganjikasee-Aquarium

Da die Fische teils recht kräftig graben, ist ein Verkleben der Steine mit Aquariensilikon zu empfehlen. Erst nachdem der Steinaufbau fertig und auf Stabilität geprüft ist, wird der Boden etwa sechs Zentimeter hoch mit Sand bedeckt. Dann werden die Pflanzen eingebracht.

Geeignete Pflanzen wählen

Das Aquarium kann mit Pflanzen, die hartes Wasser vertragen, schön dekoriert werden. Die genannten Fische schaden den Pflanzen nicht. Mit Anubias-Arten und Javafarnen können die Steine bepflanzt werden, sie wachsen im Laufe einiger Wochen an den Steinen fest. Vallisnerien werden in den Sand gepflanzt. Dabei sollte man den Wurzelbereich mit Steinen abgrenzen und befestigen. Möchte man nur Schneckenbuntbarsche in

einem Artenaquarium pflegen, wird keine umfangreiche Dekoration benötigt. Einige grössere Steine sollten so im Becken verteilt werden, dass sie als Revier- abgrenzung dienen, die Reviere aber trotzdem gut einsehbar sind. Die voran genannten Pflanzenarten können als Hintergrunddekoration dienen oder als Solitärpflanzen zwischen Steingruppen sehr dekorativ wirken. Sich eventuell bildenden Aufwuchs vertilgen zwei Welse der Gattung Ancistrus

Vallisneria spiralis 

Anubias barteri
 

   Anubias barteri var. nana
 

    Vallisneria     spiralis

Anubias barteri

Anubias barteri var. nana

Anubias congensis

Microsorum pteropus

Anubias congoensis

Microsorum pteropus

Das Wasser

Das Wasser sollte eine Temperatur von 25 bis 26 ° C haben und die Karbonathärte zwischen 12 und 16 ° dKH liegen. Die Gesamthärte ist im Tanganjikasee mit 10 bis 12 ° dGH geringer. In weichem Wasser kann zuerst mit sera GH-KH plus die Gesamthärte auf 12 ° dGH erhöht und dann die Karbonathärte zusätzlich mit sera KH plus auf 16 ° dKH angehoben werden. Der pH-Wert stellt sich dann bei 8,5 ein. Ein wöchentlicher Wasserwechsel von etwa 20 %, bei dem Mulmansammlungen abgesaugt werden, ist gerade in einem so kleinen Aquairum äusserst wichtig.

Die Beleuchtung

Da im natürlichen Biotop der ost- afrikanischen Seen die Sonne voll einstrahlt, verwendet man bei einer Abdeckung mit einer Lampe keine Pflanzenleuchte, sondern Tageslicht- röhren. Die sera blue sky Royal stellt die optimale Beleuchtung für dieses Aquarium dar. In Abdeckungen mit zwei Lampen empfehlen wir die Kombination von blue sky Royal in der hinteren mit plant color in der vorderen Lampe. Bei dieser neuen Generation von sera Leuchtstoff- röhren ist es gelungen, Lichtstrahlen im UV-Bereich zu senken und das Algenwachstum zu reduzieren.



 

Es ist schön zu beobachten, wie die nun eingesetzten Schneckenbuntbarsche ihre Reviere in Besitz nehmen und verteidigen. Dabei sind sie aber nie so aggressiv, dass es zu Verletzungen kommt. Bald werden die ersten Schneckenhäuser bewegt und durch eifriges Wühlen und Transportieren des Sandes mit dem Maul eingegraben. Schließlich schaut nur noch die Öffnung nach oben aus dem Sand. Harmoniert ein Paar, so kommt es zur Balz und das Weibchen legt die Eier in dem Schneckenhaus ab. Danach befruchtet das Männchen die Eier. Das Weibchen betreut das Gelege bis zum Schlupf der Jungfische, während das Männchen das Revier verteidigt. Die frei schwimmende Brut muss ab dem ersten Tag mit einem guten Futter versorgt werden. Da die Schneckenbuntbarsche Zooplankton-

fresser sind, bietet sich als erstes Futter lebende Artemianauplien an. Eizysten der Artemien in getrockneter Form bietet sera in hoher Qualität mit einer Schlupfrate von über 95 % im Fachhandel an. Die Brut wächst schnell und ist mit sera mikropan, zerkleinerten flora Flocken und microgran leicht aufzuziehen. Schneckenbuntbarsche können mit sera GVG mix, den FD Futtermitteln Shrimp (Atemia), Daphnien und Roten Mückenlarven sowie flora Flockenfutter in Abwechslung artgerecht ernährt werden. Die Felsencichliden nehmen das gleiche Futter an, N. leleupi sollte zusätzlich sera granumeat gegeben werden.

Anm.: In unserem Geschäft haben wir die genannten Produkte und Zierfische vorrätig.


Das Männchen bewacht das Revier, das Weibchen befindet sich im Schneckenhaus


Quelle: Dieter Untergasser: sera club-news Nr. 2/2002, Seite 14-15; Bilder: sera

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