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Der Panzerwels, der meine Hand durchstach



 

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Jürgen
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BeitragGeschrieben: 30.05.2003 - 18:52    Titel:  Der Panzerwels, der meine Hand durchstach

Der Panzerwels, der meine Hand durchstach, lebt heute noch im meinem 375 Liter-Gesellschaftsbecken und erfreut sich bester Gesundheit. die Sache, von der ich erzählen möchte, spielte sich vor etwa einem halben Jahr ab. Mir ist, als wärs gestern gewesen, und mit Schaudern denke ich daran zurück, wie er Panzerwels meine Hand durchstach.
Was war geschehen? Nun - der Fisch, um den es sich handelt, ist ein Panzerwels aus der Gattung Brochis, nämlich der Smaragdpanzerwels Brochis splendens. Die Männchen dieser Art beginnen von Zeit zu Zeit im Schaubecken ihre Weibchen, die starken Lachansatz zeigen, zu treiben. Leider konnte ich sie nie beim Ablaichen beobachten, und auch Eier fanden sich keine an Blättern und Aquarienscheiben. Als es wieder einmal soweit war, wollte ich die Tiere herausfangen und in ein Ablaichbecken setzen. Als ich fast fertig war und nur noch ein Männchen aus dem Netz in den Meßbecher setzen wollte, passierte es: beim Umfassen des Tieres spreizte der Wels in typischer Panzerwels-Manie alle Flossen ab.
In der Natur hindert dieses Verhalten Raubfische oder Vögel daran, die Welse zu schlucken, da sie sich im Maul oder Schlund festklemmen. Sie bleiben ihnen sprichwörtlich "im Hals" stecken.
In diesem Fall durchstach der Wels mit dem ersten, besonders spitzen Brustflossenstrahl meine Hand knapp unterhalb des kleinen Fingers, ziemlich genau am Ende der Lebenslinie.
Nun glaube ich zum Glück nicht besonders an derartigen Spuk, sonst könnte ich jetzt nicht dasitzen und erzählen, was damals geschah. Jedenfalls spürte ich den Stich, der - wenn sie erlauben - dem einer Nadel sehr ähnlich war und wunderte mich im ersten Moment, wer denn da wie und was...
Ich zog die Hand im Schreck aus dem Wasser und daran hing - der Panzerwels!
Ich erbleichte. Tatsächlich - wenn Sie den Artikel von Konrad Lorenz (Anm.: Fischblut) gelesen haben - befand ich mich in einer unmöglichen (Konflikt)-Situation, wußte im ersten Moment nicht vor oder zurück. Der Panzerwels ließ furzend Luft ab und blickte mich fragend an.
Schließlich erinerte ich mich daran, daß ich schreien konnte.
Ich schrie!
Meine Liebste kam gerannt und sah mich fassungslos an: "Was machst du mit dem armen Wels?"
Was macht der Wels mit mir, fragte ich mich und stolperte panisch mit dem Panzerwels, der meine Hand durchstach, in der Wohnung herum. "Eine Schere!", schoß es mir durch den Kopf. Glücklicherweise fand sich keine Schere. Schließlich hatte der Wels genug von der Stecherei und ließ von mir ab; heißt, er fiel klatschend auf den Wohnzimmerboden. Ich nahm den Fisch vorsichtig auf und setzte ihn wieder ins Becken zurück.
Die wunde hat sich zum Glück nicht entzündet, und es ist nicht mal eine Narbe zurückgeblieben, die ich herzeigen könnte.

Anmerkung: Der Wels lebt mittlerweile nicht mehr. Wels, schau oba vom Zierfisch-Himmel: mir gehts eh noch gut. Aber die Hand reich ich dir nicht mehr Lachen

Erstveröffentlichung: aquarien post, Ausgabe 2/96, jahrgang 1, Heft 2, Oktober 1996
(C) J. Haberstroh
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