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Susann Krause Kurz reingeschneit


Mit dabei seit: 17.10.2005 Beiträge: 7
Neon-Punkte: 20
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Geschrieben: 16.11.2005 - 19:33 Titel: ph-Wert |
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Hallo Jürgen!
Kannst Du mir helfen? Ständig ist in meinem 54Liter-Aquarium der ph-Wert zu hoch, so um 7,5-8. Ich messe den Wert mit einem Tröpfchentest. Als ich mir die ersten Fische gekauft habe, habe ich in der Zoohandlung einen Wassertest machen lassen und er ergab, daß mein normales Leitungswasser schon einen hohen ph-Wert hat und ich muß mit ph-minus arbeiten, da die Welse und die Neons einen Wert von 6,5 haben müssen. Ich habe das Aquarium jetzt ca.8 Wochen und ich wechsle jede Woche ein Drittel des Wassers aus. Das Neuwasser bereite ich in einem Eimer mit Sera acutan, nitrivec und ph-minus nach Vorschrift auf. Der ph-Wert beträgt dann in meinem Eimer 6,5. Nach einer Stunde messe ich dann im Aquarium und der Wert ist auch 6,5. Drei Tage später ist der ph-Wert aber wieder 7,5. Der Nitritwert ist aber immer in Ordnung <0,3mg/l. Woran könnte das liegen? In dem Aquarium sind 8 Guppys + ca. 10-12 3mm große Babyguppys (sind am Sonntag geboren), 12 Neons und 3Antennenwelse. Ich hoffe, ich habe nichts falsch gemacht und Du kannst mir helfen.
Liebe Grüße, Susann |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1250
Wohnort: Mittelgebirge
Neon-Punkte: 2647
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Geschrieben: 17.11.2005 - 00:47 Titel: |
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Hallo Susann,
Danke für deine Anfrage, ich hoffe, ich kann sie (was den chemischen Teil betrifft) zutreffend und richtig auflösen.
Die Ansäuerung von Aquariumwasser mit dem von dir geschilderten ph-Minus Präparat erfolgt mit mineralischen Säuren. Meistens wird dafür Phosphorsäure in einer 'gutmütigen' Konzentration verwendet, damit mit dem Produkt bei Fehlanwendung möglichst wenig Schaden angerichtet werden kann. Daraus resultiert aber auch schon ein Nachteil dieser schwachen Säurekonzentration: man erreicht damit in mittelharten Wässern ein wenig, in harten Wässern kaum einen zufriedenstellenden Effekt bei den kleinen Gebindeeinheiten die zur Verfügung stehen.
Kurzfristig wird damit auf die Härtebildner eingewirkt. Die Zugabe der Säure zerstört wesentliche Bildner der Karbonathärte. Der Wichtigste ist Kalziumhydrogencarbonat Ca(HCO3)2.
Es wird mit Salzsäure nach dieser chemischen Reaktion zerstört: 2 HCl + Ca(HCO3)2 --> CaCl2 + H2O + 2 CO2
Es entsteht Kalziumchlorid, Wasser und - jede Menge CO2, Kohlendioxid, das ebenfalls gelöst als Kohlensäure vorliegt. Sie verursacht die pH-Wert Senkung, die man mit dem pH-Minus-Präparat bewirkt. Du weisst, dass eine offene Mineralwasserflasche nach wenigen Stunden bis Tagen 'verraucht' ist. Dasselbe passiert im Aquarium: die Pflanzen verbrauchen das CO2, oder die Wasserbewegung (Filter, Ausströmerstein) 'treibt' es wieder aus. Was passiert? Mit dem Verschwinden dieser Säure steigt der pH-Wert wieder an. Das kann durchaus so sein, dass der pH-Wert wieder den Ausgangswert des Leitungswassers (oder höher) erreicht. Theoretisch könnte man dieses Ca(HCO3)2 in der Karbonathärte, das im Zusammenspiel mit einer Säure (z.B. Kohlensäure) auch für den pH-Wert zuständig ist, aber komplett ausschalten. Also, solange Säure zugeben, bis sich das Kalziumhydrogenkarbonat 'in Luft' (in Wirklichkeit ist es natürlich gelöste Kohlensäure, aus der später, wenn es entweicht, beim Gasaustausch Kohlendioxid wird) aufgelöst hat. Was passiert? Mit dem pH-Wert lange Zeit gar nichts, bis plötzlich der Ca(HCO3)2-Puffer aufgebraucht ist und der pH-Wert ungebremst in den Keller rasselt. Man nennt dieses Phänomen dann Säuresturz.
Soweit kannst du aber nicht gehen.
Du hast also folgende Voraussetzung: du kannst mit der im pH-Minus enthaltenen Säure einen Teil der KH-Bildner knacken, indem du daraus Wasser, Salz (Chlorid) und Kohlensäure machst. Du müsstest aber, damit der pH-Wert bei 6,5 bleibt, dafür sorgen, dass keine Kohlensäure von den Pflanzen verbraucht wird (schwierig) oder beim Gasaustausch an der Wasseroberfläche entweicht (nahezu unmöglich). Als Möglichkeit bliebe die Variante, den Kohlesäurespiegel mittels künstlicher CO2-Düngung hochzuhalten und damit die wasserlöslichen Härtebildner und das gelöste CO2 (das jetzt Kohlensäure heisst) in einem Gleichgewicht zu halten, dem sogenannten 'Kalk-Kohlensäuregleichgewicht'. Problem: dazu ist möglicherweise soviel CO2 notwendig, dass die Fische Probleme bekommen, ihr körpereigen gebildetes CO2 abzugeben. Sie können das nicht ausatmen, sondernn es muss sich im Wasser lösen. Wenn davon schon zuviel enthalten ist beginnen die Fische schwer zu atmen und können in der Folge an einer CO2-Vergiftung sterben. Also auch nicht das Gelbe vom Ei.
Man könnte jetzt allerdings die CO2-Düngemethode etwas verfeinern, z.B. indem man Torf verwendet, das über schwache Ionenaustauschfähigkeiten verfügt. Heisst, es kann Härtebildner anlagern und so dem Wasser entziehen und gleichzeitig durch die Abgabe von Huminsäuren etwas zur Ansäuerung des Wassers beitragen. Nicht viel, aber immerhin soviel, dass man bei mittelhartem Wasser in Kombination mit CO2-Düngung auf ungefähr den von dir gewünschten Wert kommt. Zusätzlich könnte man aber das Wechselwasser selber noch einige Tage abstehen lassen - die wasserlöslichen Ca(HCO3)2 zerfallen dann und es setzt sich Kalziumkarbonat (Kesselstein) im Kübel ab. Beschleunigen kann man das noch, wenn man das Wasser erwärmt, z.B. abkocht (Kesselstein im Kochtopf, verkalkte Heizschlangen in Boilern entstehen so).
Auch mühsam, umständlich, langwierig.
Was also tun?
Wenn man logisch denkt, kommt man gleich drauf: wenn man die Karbonathärte (KH) im Wasser reduziert, ist weniger Säure notwendig, um einen bestimmten pH-Wert zu erreichen. Eine Reduzierung kannst du z.B. durch Mischen mit destilliertem Wasser erreichen, durch Verwendung einer Osmose-Anlage oder eines Kationenaustauschers. Wenn du mit einer dieser Methoden z.B. ein Wasser mit KH 3 herstellst, dann genügt schon ein wenig Torf oder Erlenzäpfchen oder CO2-Zugabe, dass sich der pH-Wert in dem von dir gewünschten Bereich einstellt. Der Torf selber 'erschöpft' sich bald und muss regelmässig ausgetauscht werden, die Menge an zugeführtem CO2 richtet sich nach dem Pflanzenwuchs und dem Fischbesatz. Aber das ist ein anderes Thema
Der Fischbesatz in deinem Aquarium ist sicher angemessen, was die Stückzahl betrifft. Von den Antennenwelsen könntest du vielleicht später einmal ein Tier abgeben oder überhaupt auf eine kleinere Art ausweichen, z.B. Otocinclus affinis, die nur etwa 1/3 der Gesamtlänge der Ancistren erreichen und für den Beckentyp besser geeignet wären.
Versuche mal, bis du dich für eine Methode zur Verringerung der Karbonathärte entschieden hast, das Wechselwasser vorher eine Woche abstehen zu lassen. Bei 54 Liter Brutto und etwa 48 Liter netto Volumen macht das etwa 1 1/2 10-Liter Kübel aus. Nicht viel, das kann schon wo rumstehen. Aqutan kannst dir mit dieser Methode sparen. Gleichzeitig könntest, wenn du bei pH-Minus bleiben möchtest, den pH-Wert innerhalb dieses Zeitraumes noch 2-3 mal korrigieren, denn auch im Kübel wird der pH-Wert natürlich wieder wie von Zauberhand ansteigen, wenn auch langsamer als im bewegten Aquarium. Aber - vorsicht, irgendwann sind die Härtebildner verbraucht, und das Wasser ist kaum noch kontrollierbar was den pH-Wert betrifft.
Das alles unter der Voraussetzung, dass es keine Materialien (Steine) im Aquarium gibt, die evt. Kalk enthalten und so den pH-Wert wieder ansteigen lassen. Aber ich gehe mal davon aus, dass dem eh nicht so ist.
Lg
Jürgen |
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Susann Krause Kurz reingeschneit


Mit dabei seit: 17.10.2005 Beiträge: 7
Neon-Punkte: 20
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Geschrieben: 17.11.2005 - 21:41 Titel: |
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Hallo Jürgen!
Vielen Dank erstmal für Deine rasche Antwort.
Ohhhhhhhhhhhhjeeeeeeeeeeeee, soooo viel Chemie, da mußte ich mich erstmal durchforsten, aber im Grunde genommen habe ich es jetzt so halbwegs verstanden.
In meinem Aquarium befinden sich keine kalkhaltigen Steine (nehme ich jedenfalls an), ich habe alles in einem Aquaristikgeschäft unter fachkundiger Beratung gekauft, Nährboden für die Pflanzen, 4 Pflanzen, Kies, eine Wurzel und ein kleines altertümliches Gefäß (Versteck für die Fische).
Ich werde mir jetzt auf jeden Fall immer 2 volle Wassereimer hinstellen, mir ist nur noch nicht ganz klar, ob das schon aufbereitetes Wasser sein soll, oder ob ich das Wasser erst beim Wasserwechsel aufbereiten soll. Kannst Du mir darauf bitte nochmal antworten?
Unser Trinkwasser hier in Bad Gandersheim ist sehr kalkhaltig und deshalb haben wir im Keller eine Entkalkungsanlage in die man regelmäßig spezielles Salz geben muß, sie funktioniert irgendwie auf Ionen-Basis (wie Du siehst bin ich wirklich kein Chemiker, ich muß meinen Mann mal fragen, der kennt sich mit dem Gerät besser aus und weiß wie es funktioniert) und versorgt unser ganzes Haus mit dem Wasser. Jedenfalls verkalkt seit dem in meiner Küche der Wasserkocher nicht mehr.
Über eine perfekte Dauerlösung bin ich mir wirklich noch nicht im Klaren, schließlich möchte ich für meine Fische nur das Beste. Ich werde mir dazu noch etwas Literaur besorgen müssen.
Selbst mit dem Testen des ph-Wertes komme ich zu dieser Jahreszeit nicht mehr so ganz hinterher, da ich morgens das Haus im Dunkeln verlasse und abens wenn es schon dunkel ist erst nach Hause komme. Diesen genauen Tröpfchentest soll man ja bei Tageslicht machen und leider ist mir der Zeitabstand von Wochenende zu Wochenende zu lang, so daß ich das auch abends muß.
Ich würde mich freuen, wenn Du Dich nochmal melden könntest, da ich wirklich nichts falsch machen möchte.
Lieben Gruß und einen schönen Abend noch, Susann |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1250
Wohnort: Mittelgebirge
Neon-Punkte: 2647
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Geschrieben: 18.11.2005 - 14:52 Titel: |
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Hallo,
Ich würde mal den Teilwasserwechsel entweder auf 1/4 wöchentlich oder auf 1/3 zweiwöchentlich reduzieren bzw. aufteilen - der Fischbesatz lässt diese Vorgehensweise mit Sicherheit zu.
Gemeint war, dass du das Wechselwasser eine Woche 'rumstehen' lässt und in dieser Zeit auf seinen Einsatz vorbereitest (ph-Wert Anpassung). Ein Wasseraufbereitungsmittel musst du bei dieser Vorgehensweise keinesfalls mehr verwenden.
Im Sommer lässt sich übrigens (ergänzend) Regenwasser sammeln und aquaristisch verwenden, wenn du nicht unter einem Kupferdach wohnst, im Winter (mit einigem Aufwand) kann man Schnee verwenden (so sich die Luftverschmutzung bei euch in Grenzen hält).
>> regelmäßig spezielles Salz geben muß, sie funktioniert irgendwie auf Ionen-Basis
Hmm... eine Phosphatierungsanlage oder Neutralaustausch? Da bin ich auch zu wenig bewandert.
Lg
Jürgen |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1250
Wohnort: Mittelgebirge
Neon-Punkte: 2647
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Geschrieben: 18.11.2005 - 16:51 Titel: |
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Weil ich im Thread vorher die Reaktion mit Phosphorsäure schuldig geblieben bin hab ich mal einen chemisch bewanderten Freund gefragt, wie da die Reaktion abläuft.
| Zitat: | Starke Säuren treiben schwache Säuren aus ihren Salzen aus (das klingt jetzt irgendwie exorzistisch...). In diesem Fall ist die schwache Säure Kohlesäure, die in dann gleich als Kohlendioxid plus Wasser angeschrieben wird, weil das die Realität besser beschreibt. Also:
2 H3PO4 + 3 Ca(HCO3)2 --> 6 CO2 + 6 H2O + Ca3(PO4)2
Man könnte jetzt noch darauf herumreiten, dass man die linke Seite in dissoziierter Form anschreiben sollte ( 6H+ + 3(PO4)3- + 3Ca2+ + 6 (HCO3)-), weil das die Realität besser beschreibt. Das Calciumphosphat rechts hingegen sollte mehr oder weniger komplett ausfallen, deshalb sollte die Schreibweise als Salz ok sein.
Übrigens, ich glaube nicht, dass in Sera pH- Phosphorsäure drin ist. Ich glaube eher an ein Dihydrogenphosphat. Phosphorsäure ist in brauchbaren Konzentrationen doch ziemlich ätzend und dürfte ohne Gefahrenkennzeichnung wohl nicht verkauft werden. Und wer schüttet sich schon was mit Gefahrensymbolen drauf ins Becken? Das Dihydrogenphosphat puffert irgendwo zwischen 4 und 4,5, ist also IMHO ganz gut geeignet. Nachteil: es kommt halt noch ein bisschen mehr Phosphat ins Becken, aber dazu haben wir ja unseren neuen Phosphatfilter im Angebot... |
Lg
Jürgen |
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Kiki Kurz reingeschneit


Mit dabei seit: 02.11.2005 Beiträge: 4
Wohnort: Oberbayern
Neon-Punkte: 10
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Geschrieben: 19.11.2005 - 10:33 Titel: |
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Hallo Susanne,
habe das selbe Problem (gehabt) wie du. Hier meine zwei Lösungsansätze:
Kaufe im Baumarkt "Weißtorf",
1. Tue in deine zwei Eimer Wasser für den Wasserwechsel, die du ja stehen lassen willst, jeweils eine gute Handvoll Torf hinein, gieße dann das Wasser vor dem WW z.B. über ein Küchenhandtuch in einen 3. Eimer (filtern) und verwende dieses Wasser dann für dein AQ
2. Nehme eine alte Strumpfhose, schneide a bisserl vom Bein ab, fülle es mit einer Handvoll Torf, knote das Säckchen zu und ab damit in´s AQ.
Hilft bei mir super gut. So konnte ich von einem Leitungswasser von Ph8, Kh19, Gh16 auf jetziges AQ-Wasser Ph7, Kh4, Gh11 ändern.
(Vor allem ist es auf Dauer sehr viel günstiger und Torf hat zusätzlich antiseptische Wirkungen, wie bei Erlenzäpfchen auch. Diese kannst du zum Senken auch benutzen. )
Gruß
Kerstin |
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