Jürgen Support Team


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Geschrieben: 18.03.2003 - 00:55 Titel: Pinselalgen & co: Ursachen und Abhilfe |
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Hallo Raimund,
Nachdem das problem "PINSELALGEN" wahrscheinlich schon alt ist wie die aquaristik selber habe ich mir erlaubt, auf deine frage etwas ausführlicher zu antworten.
Tja, das mit den pinselalgen ist wirklich ein problem. Hat man sie mal drin, bekommt man sie so schnell auch nicht wieder weg.
Das abschrubben von scheiben, heizer oder filter oder abkochen von dekoration ist eigentlich nur die erste massnahme, nämlich so viel wie möglich von den biestern wegzubekommen. Leider geht das nur bei steinen, filter oder aquarienscheiben. Bei pflanzen wie anubias schaut das ganze natürlich anders aus: knipst du befallene blätter weg, bleibt bald nichts mehr übrig von der pflanze.
Leider hast du nicht viel über die rahmenbedingungen in deinem aquarium geschrieben. Pinselalgen entstehen nämlich nicht "einfach so", es muss da schon mehr schiefgelaufen sein, und zwar über einen längeren zeitraum.
Auf die schnelle fallen mir diese möglichen ursachen ein:
1. Überbesatz mit zierfischen, damit verbunden übermässige fütterung und in weiterer folge womöglich ein längerfristig zu gering ausgefallener teilwasserwechsel. Die anhäufung von phosphaten und nitraten und deren verbindungen kann das pinselalgenwachstum begünstigen. Abhilfe: einsetzen von phosphat oder nitrat-absorbierenden filtermedien, z.b. ZEOLITH, Amtra Nitrat oder Phosphat Reduct, JBL Clearmec. Mit diesen filtermedien kann man einiges erreichen. Funktioniert leider nur gut in einem aussenfilter.
2. Überaltertes aquarium: in überalterten aquarien, damit meine ich becken, die länger als 4 jahre ununterbrochen in betrieb sind, kann sich im bodengrund ein depot aus ausgefallenen phosphat oder nitratsalzen bilden. Das bekommst du nur äusserst mühsam mit grosszügigen wasserwechseln weg, eigentlich gar nicht, sondern nur durch das komplette entfernen des bodengrundes. Vergiss das auskochen oder durchwaschen des kieses, da hilft nur austauschen.
3. Nach einem spontanen wechsel in den lichtfarben der beleuchtung, v.a. von warmtönen hin zu bläulichen lampen wie z.b. der AQUASTAR kann es innerhalb weniger wochen zu einem massiven pinselalgenbefall kommen. Vor allem dann, wenn beide röhren gleichzeitig ausgetauscht wurden. Das heisst nicht, dass die AQUASTAR eine schlechte röhre wäre, ganz im gegenteil: sie ist eine der besten pflanzenleuchten überhaupt. Aber plötzliches austauschen der lampen kann pinselalgenwachstum begünstigen.
4. Vielleicht wurden die falschen lichtfarben für das aquarium gewählt, z.b. DENNERLE african lake und aquastar, oder aquastar und INTERPET blue moon (diese schönen blauen neonröhren). Die kombination von beiden bringt einfach zu viel blaues licht ins becken, bei einer hohen lichttemperatur (kelvin-zahl über 8.000) können sich pinselalgen explosionsartig vermehren. Auch die verwendung von zwei GRO-LUX röhren kann das algenwachstum begünstigen. Abhilfe: eine röhre gegen eine warmtonröhre austauschen, oder lieber gleich zwei lampen mit UV-STOP verwenden, z.b. DENNERLE amazon day und DENNERLE kongo white oder color plus.
5. Die neonröhren sind womöglich überaltert, d.h. älter als 12 monate. Abhilfe: austauschen, ausnahmsweise beide gleichzeitig gegen die in punkt 4 vorgeschlagenen röhren
6. Wenn man zu wenige raschwüchsige pflanzen im aquarium hat, können die anfallenden nährstoffe nicht entsprechend verwertet werden. Den rest holen sich die algen. Das ist besonders oft zu beobachten, wenn die pflanzen an und für sich gut wachsen, die algen aber auch!
7. Zu wenig oft oder zu gering ausfallende teilwasserwechsel.
8. Zu grosszügige verwendung von flüssigdünger
9. Zu kalkhaltiges aquarienwasser. Auf mikroskopisch kleinen kalkausfällungen an den pflanzenblättern (blattränder von anubias, javafarn) oder der dekoration finden pinselalgen eine optimale besiedelungsfläche vor. Abhilfe: Kohlendioxid-düngung. Dadurch wird der kalk "gelöst" und in lösung gehalten. Damit habe ich die besten erfahrungen - auch in hoffnungslos veralgten becken - gemacht. Das CO2 löst die pinselalgen regelrecht von ihrer unterlage und können nach und nach abgesaugt werden. Das problem pinselalgen sollte so nach etwa 6-8 wochen behoben sein, falls die übrigen rahmenbedingungen (licht, fischbesatz) stimmen.
10. Lichteinfall von "der seite" ins aquarium: tageslicht kann die besiedelung von periodisch sonnenbeschienenen stellen im aquarium begünstigen. Abhilfe: den standort des beckens ändern, abschirmen
Ich würde wie folgt vorgehen:
Wenn das aquarium noch nicht zu lange in betrieb ist oder das problem erst aufgetreten ist: alle algen von den scheiben oder der dekoration mechanisch entfernen, austauschen überalterter neonröhren (älter als 12 monate), installieren einer co2-düngeanlage (wenn du keine malawi- oder tanganjikasee-buntbarsche pflegst). Daneben bitte wöchentlich einen teilwasserwechsel von mindestens 1/3 des beckenvolumens durchführen, besser 2x die woche, und dann auf flüssigdünger komplett verzichten.
Sehr bewährt hat sich das einsetzen der siamesischen rüsselbarbe (E. siamensis), und zwar die "echte" mit dem durchgehenden streifen in der schwanzflosse. Auf ein 100 liter aquarium würde ich da schon 10 tiere reingeben. Leider werden sie ziemlich schnell ziemlich gross und bevorzugen bald lieber flockenfutter als zähe pinselalgen... aber bis es soweit ist, solltest du das problem auf jeden fall in den griff bekommen haben. Sollten die tiere zu gross geworden sein, kannst du sie an kollegen mit barschaquarien weitergeben, wos mit algen meistens auch probleme gibt.
Die algenfressende garnele, C. japonica, würde kurzen prozess machen mit allen arten von algen. Du musst halt darauf achten, genügend tiere einzusetzen, auf 100 liter etwa 15 - 20 garnelen. Das funktioniert natürlich auch nur, wenn keine scalare, discus, kugelfische oder prachtschmerlen im becken sind, die so eine süsse garnele gleich einmal als leckerbissen ansehen könnten. Diese garnelen können echt wunder bewirken, sie putzen ständig an den blättern herum und zwicken noch die kleinste alge fein säuberlich von den blättern.
Das einsetzen von antennenwelsen der gattung ancistrus bringt dagegen gar nichts, die verschmähen diese zähe alge glatt. Auch schnecken würden bei ihrem "schneckentempo" keine echte hilfe sein. Viel eher schon das einsetzen eines schwarmes La plata Algensalmler, aber die sind ziemlich teuer und ich habe auch - ehrlich gesagt - damit noch keine erfahrungen bei der bekämpfung von pinselalgen gemacht.
Jedenfalls wird die therapie einige monate in anspruch nehmen. Wenn du nicht so lange warten möchtest, wird dir nur eine neueinrichtung helfen.
BITTE KEIN ALGENMITTEL VERWENDEN! Mit sicherheit funktioniert das NICHT. Es gibt kaum eine zähere alge als die pinselalge, und die kann man mit normaler dosierung von algenmitteln nicht umbringen, ohne dass die pflanzen schaden nehmen,
meint
Jürgen |
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